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Caminho Português- von Porto nach Santiago

Der portugisische Jakobsweg ist die beliebteste Nebenrouten der Jakobswege. Laut den offiziellen Zahlen [1] sind 2016 knapp 50.000 Pilger über den portugisischen Jakobsweg, den Caminho Português nach Santiago de Compostella gewandert. Zum Vergleich: Auf dem Camino Frances, dem Hauptweg, waren es im gleichen Jahr etwa 175.000 Pilger. Aber was macht den Reiz an diesem Weg aus?

Der Startpunkt

Panorama-Blick über Porto

Panorama der Stadt Porto, dem Startpunkt meines portugisischen Jakobsweges

Nach Sarria und Saint Jean Pied de Port ist Porto der dritthäufigste Startort [1]. Direkt danach kommt Tui, der erste Ort in Spanien auf dem Caminho Português. Beides sind wirklich schöne Orte. Gerade Porto kann ich sehr empfehlen. Für die Strecke von Tui bekommt man bereits eine Compostella (da diese Strecke mit knapp 120 km über der Mindesstrecke von 100 km für eine Compostella (zu Fuß) liegt. Und auch die Strecke von Porto aus, lässt sich ohne Probleme in einem üblichen Urlaub (2 Wochen) absolvieren. Sie hat eine Strecke von knapp 250 km (je nach Variante).

Mit einem Start in Porto hat man das Gefühl, dass man einen „kompletten Jakobsweg“ absolviert hat. Denn man muss sich sehr selten gegenüber anderen Pilgern „rechtfertigen“, die schon deutlich vor einem gestartet sind (zum Beispiel in Lissabon oder Fatima). Ich glaube, dass dies ein Teil des Reizes ausmacht.

Die Strecke

Kartenausschnitt von Portugal und Spanien mit eingezeichneten Wegen des Camino Português

Karte erstellt auf Basis einer Karte von Waymarked Trails: Hiking mit Kartenmaterial von OpenStreetMap. © OpenStreetMap-Mitwirkende und Waymarked Trails: Hiking (Copyright CC BY-SA)

Der Streckenverlauf ist in verschiedenen Varianten möglich. Der klassische Weg verläuft nicht an der Küste, sondern im Landesinneren. Ich bin bei meiner Variante jedoch über Lavra zwei Tage an der Küste entlang gelaufen und bin auf den klassischen Weg bei Arcos gestoßen. Der Weg verläuft etwa die Hälfte der Strecke (von Porto aus gerechnet) in Portugal, und die zweite Hälfte in Spanien. Die beiden Grenzstädte Valença (Portugal) und Tui (Galicien, Spanien) markieren den Übergang.

Die Landschaft

Panoramablick über einen Schotterweg neben ein paar leeren Reben auf dem Camino Português

Blick über ein Teilstück des Camino Português

Was ich über die Landschaft sagen kann, die ich während meiner Reise kennen gelernt habe ist: Diese Landschaft ist definitiv traumhaft. Sie bietet durch die Abwechslung mit dem Meer einen Kontrast und ein Wechselspiel, das der Camino Frances nicht in dieser kurzen Strecke so bieten kann (obwohl dieser, auf seine gesamte Strecke auch sehr abwechslungsreich ist). Darüber hinaus gibt es einige verschiedene Varianten, mit denen man den Jakobsweg auch durchaus interessant verändern kann. So gibt es von Porto aus einen Weg über Lavra an der Küste, und einen anderen Weg im Landesinneren. Später kann man zwei Wegalternativen von Pontevedra nach Padron nehmen. Der klassische Weg führt hier über Calas del Rei, eine andere Variante ist der Camino Espiritual, ein bisher selten begangener Nebenweg, der an Villanova de Arousa vorbei führt. Hierbei kann man für ein Teil des Weges eine „Fähre“ (andere würden sagen es ist ein normales Boot) nehmen.

Die Wege

Foto eines Wegstücks auf dem Camino Portugues mit zwei Wanderern etwa 50 Meter vorraus.

Ein Blick über einen schöneren Weg des Camino Portugues

Die Wege waren für mich auf diesem Jakobsweg wieder einmal das ernüchternste. Ähnlich wie auf dem Camino del Norte läuft man auch auf dem Caminho Português leider sehr viel über geteerte Straßen. An diesen ist zwar glücklicherweise nicht viel Verkehr (es geht oft an Dorfstraßen entlang), aber dennoch ist es nicht unbedingt das, was sich viele unter „Wanderwegen“ vorgestellt haben. Der Untergrund alleine bietet somit wenig Abwechslung, auch wenn man manchmal auch über Holzstege (zumindest an der Küstenvariante), oder auch mal über kleinere Pfade laufen kann. Auch wenn ich nichts über die korrekte Wegaufteilung sagen kann, fühlt es sich so an, als wäre mehr als die Hälfte des Weges auf Straßen oder an diesen entlang.

Für diejenigen, die eher untrainiert sind, hat dieser Weg noch einen ganz anderen Reiz: Man muss kaum Höhenmeter zurücklegen. Bis ich diesen Weg gegangen bin, wusste ich nicht, dass Galicien auch so flach sein kann. Wenn man von Osten auf dem klassischen Jakobsweg auf Santiago de Compostella zuläuft, wird es relativ hügelig (in etwa 600 Höhenmeter pro Tagesetappe). Von Süden her ist es sehr lange äußerst flach (weniger als 250 Höhenmeter pro Tagesetappe), wohingegen es am Ende noch ein bisschen hügeliger wird (in etwa 400-500 Höhenmeter pro Tagesetappe). Damit ist der Weg auch für Wanderer ohne große Übung sehr zu empfehlen

Die Unterkünfte

Foto eines alten Steinhauses

Ein altes Steinhaus, das uns angeboten wurde, nachdem unsere geplante Herberge bereits voll war

Zu allererst sei gesagt, dass mein Eindruck der Unterkünfte auf dem Weg nicht nur sehr subjektiv ist, sondern es sich in den nächsten Jahren auch noch deutlich ändern kann. Es ist deutlich erkennbar, dass hier Einheimische viel investieren, da immer mehr Pilger auf den Weg gehen, die Unterkunft benötigen. So finden sich viele neue Unterkünfte, die selbst in der aktuellen Ausgabe der Pilgerführer noch nicht erwähnt wurden. Darüberhinaus deuten Baustellen am Wegesrand zum Teil an, dass neue Herbergen und Cafés entstehen.

Die Unterkünfte am Weg unterscheiden sich erheblich von denen am Hauptweg. Die Entfernung zwischen Ortschaften mit Pilgerherbergen sind häufig zwischen 10km und 25 km. Somit ist man auf diesem Weg weniger flexibel, was die Planung der Tagesetappen angeht. Sobald man jedoch in Spanien ist (also ab Tui) nimmt auch hier die Herbergsdichte deutlich zu (5-10 km Abstand zwischen zwei Ortschaften mit Herbergen).

Dafür haben aber die Herbergen auf dem Nebenweg zum Teil noch mehr Charakter als viele der Herbergen auf dem Hauptweg. Sie sind meist deutlich kleiner (Größenordnung etwa 15 Betten), weswegen man öfter das Glück hat, dass sich kein (besonders lauter) Schnarcher mit einem im Zimmer befindet.

Fazit

Es gibt Wanderwege, die deutlich schöner sind. Aber als Pilgerweg, um andere Menschen kennen zu lernen, um zu sich zu finden, und eine schöne Landschaft zu genießen eignet sich der portugisische Jakobsweg auf jeden Fall. Einer der größten Vorteile ist es hier, dass man das Gefühl eines vollständigen Weges hat, da es wenige Pilger gibt, die eine deutlich längere Strecke auf dem gleichen Weg gelaufen sind.

Loki
Loki
Hi, ich bin Lucas, aber meine Freunde nennen mich Loki. Ich habe 2011 mit dem Fernwandern, bzw. Pilgern, angefangen und suche mir inzwischen immer mehr und auch immer größer werdende Herausforderungen. Über meine Erfahrungen berichte ich gerne, damit nicht jeder meine Fehler wiederholen muss. Aber auch damit ihr Ideen bekommt, was sich bei mir oder anderen bewährt hat. Neben dem Wandern beschäftige ich mich gerne mit der Fotografie. Darüber hinaus treffe ich mich gerne mit Freunden zum gemeinsamen Kochen oder einen gemeinsamen Spieleabend. Ich hoffe, ich konnte euch etwas interessantes bieten und ihr lasst einen Kommentar da.

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